Spital
Volkskunstschule im Spital– was ist das?
Die Assoziationen bewegen sich zwischen romantischen Klischees, Volkskunstschule und Kunstschule. Der Name, den die Einrichtung seit ihrer Gründung 1968 trägt, ist nicht problemlos. Schon die Definitionen des Begriffes „Volkskunst“ bilden ein weites Feld, auch der Schulbegriff im Zusammenhang mit der außerschulischen Arbeit ist umstritten.
Da „Volkskunstschule“ jedoch verschiedene Deutungen zulässt, beispielsweise die der Volks-Kunstschule, was die Öffnung allen Alters- und Einkommensstufen integriert, und vor allem, da der Name den durchaus vorhandenen Bezug zu den regionalen Traditionen verdeutlicht, entschlossen wir uns, diesen Namen zu behalten.
Gegenwart ist die Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft –
Künstlerische Arbeit in der Volkskunstschule erfolgt bewusst in dem Spannungsfeld taditioneller und moderner Einflüsse. Diese Verbindung stellt unserer Meinung nach gerade in Regionen, in denen verschiedene künstlerische Traditionen, wie hier am Rande des Erzgebirges, noch lebendig sind und gepflegt werden, eine wichtige Potenz der künstlerischen Arbeit dar. Kunst veraltet nicht, wie technische Systeme und Gebrauchsgegenstände. Setzt man sich mit künstlerischen Traditionen auseinander, dann stellt man fest, dass Geschichte nichts abgeschlossenes ist, dessen Hauptmerkmal Unvollkommenheit war.
Inhalte im Wandel
Die Volkskunstschule ist tatsächlich eine gewachsene Einrichtung. Sie hat sich mit den Menschen, von der sie getragen wird, verändert und verändert sich weiter. Bei ihrem Namen ist es geblieben, auch wenn dieser den Inhalt der Einrichtung längst nicht mehr wiedergibt. Längst ist das Betätigungsfeld über das, was heute „Volkskunst“ genannt wird, hinausgewachsen. Der Begriff „Volkskunstschule“ ist indes zur Traditionsmarke geworden und zeigt die enge Bindung zu den Einwohnern der Region.
Mit dem Umzug der Einrichtung in das „Spital“, ein vor 1564 als Hospital errichtetes und 1990-92 saniertes kommunales Gebäude, erhielt die Volkskunstschule ihre heutige Form. Tradition und Moderne finden in dem denkmalgeschützten Gebäude wie selbstverständlich zusammen.
Die Genres, mit denen sich die Volkskunstschule in ihren Kursen und Projekten beschäftigt, sind geprägt durch die Ausstattung und die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten. Eine Holzwerkstatt, mit allen notwendigen Maschinen zur Holzbearbeitung und eine Druckwerkstatt für Lithografie und die anderen gängigen Druckverfahren befinden sich im Erdgeschoss. In zwei Nebenräumen kann mit wenig Mühe eine Dunkelkammer für die s/w Fotografie eingerichtet werden. In der oberen Etage befinden sich zwei flexibel nutzbare Räume. Hier wird gemalt, gezeichnet, gebastelt, genäht usw. Die Keramikwerkstatt nebenan ist mit zwei Brennöfen und Regalen gut ausgestattet. Der Saal unter dem Dach des Fachwerkhauses ist geeignet für Konzerte, Kabarett und Puppenspiel. Er wird auch zum Aktzeichnen und für kleine Ausstellungen genutzt. Die Küche im Erdgeschoss erlaubt es, Teilnehmer längerer Veranstaltungen mit mehr als nur Kaffee und Kuchen zu versorgen.
Das Kursprogramm hat sich im Laufe der Jahre natürlich gewandelt. Manche Themen sind verschwunden, andere dafür neu hinzugekommen. So erfreuen sich die Kurse für Aufbaukeramik und Töpfern großer Beliebtheit. Die Kurse für Holzgestaltung haben bis heute immer wieder Themen im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne bearbeitet. Hier entstehen Bergmannsfiguren ebenso wie frei gestaltete Skulpturen. Auch in anderen Genres ist die Vielgestaltigkeit der einzelnen Kurskonzepte charakteristisch: die Orientierung an handwerklichen Techniken stellt keinen Widerspruch zu freien, künstlerischen Herangehensweisen dar.
Viele Kursleiter sind freischaffende Künstler, die in der Region tätig sind. Sie finden in der Volkskunstschule eine Wirkungsstätte und nutzen auch die hier vorhandenen Möglichkeiten der Kunstproduktion. An die Kursteilnehmer geben sie Ihre Fertigkeiten und Auffassungen weiter. Malerei und Graphik, textiles Gestalten, Modellbau, Fotografie und Korbflechten sind weitere Genres im Kursprogramm.





